Das schönste Spiel der Welt

Beim Fußball spricht man oft von Superlativen. Ständig ist der Fan und vor allem die Presse auf der Suche nach dem Auserwählten. Nach demjenigen, der etwas Besonderes kann. Etwas, was ihn von seinen Kollegen unterscheidet. Nach dem, der von allen Fußballern der Welt den Ball am schnellsten führt, den gefährlichsten Schuß hat, die meisten Tore schießt und das Spiel für sein Team entscheiden kann. Dieser Fußballer wird dann als der beste Spieler der Welt tituliert. Zurzeit ist dieser Fußballer ...

...ohne Frage Lionel Messi vom FC Barcelona. Seine perfekten Tempo-Dribblings, sein unbändiger Zug zum Tor und vor allem seine spielerische Leichtigkeit, als würde er vom Fußballgott höchstselbst per Spielkonsole gelenkt, machen ihn einzigartig. Zu Recht werden überschwengliche Lobeshymnen auf den kleinen Argentinier gehalten. 

Jeder Fußballer bewundert den Stürmer des FC Barcelona für sein Können. Für die ganze Fußballwelt ist es eine Freude, den Weltfussballer 2009 am Ball zu bestaunen. Es sei denn man ist an diesem Tag sein Gegenspieler. Die Reihe derer, die sich versucht haben, gegen den Kleinen mit den schnellen Füßen zu spielen ist lang. Prominente Namen finden sich darunter. Einen davon jetzt exemplarisch zu nennen wäre unfair. Zu zahlreich und zu gut waren die Verteidiger, die sich der Herausforderung Messi stellen mussten. Und scheiterten.

Macht ja auch nichts. Kein Experte, kein Fan würde jemals dem Gegenspieler von Messi einen Vorwurf machen. Schließlich ist Messi aussergewöhnlich und deshalb nicht zu verteidigen. Seine an Unendlichkeit grenzende Überlegenheit sorgt nicht allein für Respekt beim Gegner. Es ist mehr als das. Es ist Angst. Die Angst, dass man an diesem Tage keine Chance gegen seinen Gegenspieler haben wird. Gepaart mit der Gefahr von Lio vorgeführt zu werden.

Am Dienstag gab es eine Mannschaft, die sich dieser Angst gestellt hat. Inter Mailand hat es geschafft, sich dem besten Spieler der Welt zu stellen und ihn abzumelden. Es war eine Gemeinschaftsproduktion von bis zu fünf Gegenspielern, die sich bei Ballbesitz Messis innerhalb von wenigen Sekunden um die Nummer 10 scharten und ihn unter Druck setzten. Zu erwähnen sind zwei gute Bekannte des Geschäfts. Zwei Argentinier. Nämlich Javier Zanetti, 36 Jahre mit 500 Spielen für Inter und 136 Spielen für die Nationalmannschaft Argentiniens. Und Esteban Cambiasso, 29 Jahre mit 350 Erstligaspielen (41 davon für Real Madrid und 176 für Inter Mailand) und 46 Länderspielen. Ihre Erfahrung und die Anweisungen ihres sich selbst als genial bezeichnenden Trainers Jose Mourinho machten im Champions League Halbfinale zu San Siro den Unterschied.

Die beiden verteidigten ihren 21-jährigen Nationalmannschaftskollegen mal tief, und ließen ihn auf sich zu dribbeln, wobei sie automatisch den Weg zwischen Innenverteidigung und Mittelfeld verkürzten und somit ein Durchkommen unmöglich machten. Dann wieder stellten sie ihn schon bei der Ballannahme, unterstützt von den Kollegen, und zwangen ihn zu einem für ihn untypischen Rückpaß. Mit ihrer abgeklärten und erfahrenen Art zu verteidigen kam Lionel Messi während 90 Minuten nicht klar. Er spielte schlicht keine Rolle mehr im Spiel von Barca. Inter gewann 3 zu 1, durch Tore von Sneijder, Milito (übrigens ebenfalls Argentinier) und Maicon. Aber die entscheidenden Männer an diesem Abend waren nicht die Torschützen. Hauptverantwortlich für diesen Sieg sind Zanetti und Cambiasso. 

Die beiden argentinischen Defensivspezialisten zeigen mit ihrer Leistung, was das Schöne am Fußball ist. Mit dem richtigen Plan - und an dieser Stelle sollen die fußballerischen Fähigkeiten der beiden keineswegs geschmälert werden - kann man auch gegen einen schier übermächtigen Gegner bestehen. Keiner ist beim Fußball so gut, dass man Angst vor ihm haben sollte. Das Schöne ist: Zanetti und Cambiasso rufen den Sinn des Spiels für alle Verteidiger, die sich in einer David-gegen-Goliath-Situation befinden, wieder ins Gedächtnis. "Keiner hat schon von vornherein gewonnen. Erst mal muss er gegen mich bestehen und zeigen, dass er besser ist. Vielleicht gewinnt er das Duell gegen mich. Aber er wird es nicht leicht haben. Denn ich trete gegen ihn an um ihn zu besiegen. Darum spiele ich Fußball."

In diesem Sinne,

Euer Karlo Kolumno